Astronomie Unterstufe
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Vom Geometrie- und Himmelskunde-Unterricht in der sechsten bzw. siebten Klasse hat das Kind bis zum zwölften Lebensjahr die Welt mehr im Tun und in bildhaften Vorstellungen ergriffen, so verändert sich seine Beziehung zur Welt von diesem Alter an stark durch Erweiterung seiner Denkleistung.
Das Kind will die es umgebende Welt kausal in ihren Erscheinungen begreifen. Dabei besteht aber die Gefahr, dass sich eine Kluft auftut zwischen dem Kind und der äußeren Welt. Deshalb muss der Unterricht so eingerichtet werden, dass das Kind sich im Zusammenhang mit der Welt und seinen Gesetzmäßigkeiten empfindet.
In der Geometrie-Epoche der sechsten Klasse, in der die Kinder erstmalig mit Zirkel und Geodreieck arbeiten, entstehen bestaunenswerte Formen, wie zum Beispiel der Sechsstern, dessen Gesetzmäßigkeiten beim Konstruieren und beim Betrachten sichtbar werden. Bei dem genauen und schönen Ausgestalten der verschiedenen Formen und dem eigenen Auffinden neuer Möglichkeiten werden die geometrischen Grundkonstruktionen fast wie von selbst erübt.
An die Geometrie-Epoche schließt sich die erste Himmelskunde-Epoche an: In den uralten Zeiten war die Geometrie notwendiger Bestandteil der Astrologie. Man sah in den Sternen göttliche Wesenheiten, die der Erde Kräfte zufließen lassen und bestimmte, nach ihrem jeweiligen Stand, Aussaattermine, Feste oder Eroberungszüge. Heute hilft uns die Geometrie, die Himmelserscheinungen besser zu verstehen.
Viele Schülerinnen und Schüler kommen mit der fest geprägten Vorstellung, die unser Sonnensystem von außen betrachtet: Sie sehen die Erde als einen der Planeten, die um die Sonne kreisen. Der Mensch aber ist gar nicht mehr in die Betrachtung einbezogen.
Deshalb fängt die Himmelskunde-Epoche damit an, herauszufinden: Wo stehe ich auf der Erde, und was sehe ich? Wenn ich mich in einer weiten Ebene befinde und mich um meine eigene Achse drehe, so sehe ich dort, wo Himmel und Erde scheinbar zusammenstoßen, den Horizont als eine Kreislinie. Ich selbst bin Mittelpunkt. Schaue ich nach oben, so wölbt sich der Himmel über mir wie eine Kuppel. Diese runde bis an den Horizont reichende Scheibe und die Kuppel über mir nehme ich mit, wohin ich auch gehe, aber die Erscheinungen auf der Erde und am Himmel wechseln je nach dem Ort, an dem ich mich befinde. So habe ich als Mensch meinen Standpunkt, meinen Umkreis, meinen Gesichtskreis, meinen Wirkenskreis. Man kann auch sagen: Dieser Raum bildet meine Sphäre.
Die Kinder haben nun die Möglichkeit, von ihrem jeweiligen eigenen Ort aus die Himmelserscheinungen zu beobachten, mit Hilfe der Geometrie zu beschreiben und Zusammenhänge zu erkennen. Auch elementare Gefühle werden angesprochen, wenn die Großartigkeit eines Sonnenaufgangs bestaunt oder ein klarer Sternenhimmel bewundert werden. Die Kinder empfinden sich als von Weltrhythmen umgeben und damit sicher und geborgen. Wie anders wäre das Lebensgefühl, wenn sie die Erde und die Himmelserscheinungen nur "von außen" als eines von vielen Sonnensystemen betrachten würden.
