Heimatkunde 4. Klasse

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"Heimatkunde" - ein seelischer Atemprozess, 4. Klasse

Nun, da die Kinder innerlich eine neue Beziehung zur Welt suchen, darf auch die erdkundliche Betrachtung der Heimat einsetzen. Dabei wird man auch erzählen, wie am jeweiligen Ort dieses und jenes entstanden ist und sich bis heute weiter entwickelt hat: also die Geschichte der nahen Umgebung. Raum und Zeit werden den Schülern hiermit bewusst gemacht.


Für den Klassenlehrer kann auch die Vorbereitung auf diese Heimatkunde-Epoche zu einem besonderen Erlebnis werden. Wird er doch so manches Interessante aus der entsprechenden Literatur erfahren, was die Kinder ebenso freudig und mit Spannung aufnehmen und mitunter gern an die Eltern weitererzählen werden. Alles, was man später den Schülern an Ort und Stelle zeigen möchte, schaut man sich am besten vorher an, um bei den Klassenausflügen gewappnet zu sein. Man lernt dabei selbst am meisten und konnte hinterher vielleicht ein ganz guter "Stadtführer" oder "Reisebegleiter" sein.

Neben allen Schilderungen wird man den Schülern auch einen Weg zeigen müssen, wie sie zum Verständnis einer Landkarte gelangen können und wie man sie im Heft oder auf einem großen Blatt auf künstlerische Weise ausgestaltet. Erst in diesem Alter vermögen sie sich innerlich so richtig vorzustellen und bildhaft auszumalen, wie ein Vogel beispielsweise die Schule, deren nähere Umgebung, schließlich immer größere Gebiete von oben sieht.

Als Lehrer bereitet man sich gut darauf vor, wie man die erste Landkarte am geschicktesten vor den Augen der Kinder an der Tafel entstehen lassen kann, und ist am anderen Morgen auch sehr gespannt, wie sie einem selbst und den Kindern gelingen wird.

Bei den ersten Erkundigungsausflügen in die nahe Umgebung gilt es darauf zu achten, welche Biegungen die Wege machen, ob rechts und links Häuser, Felder, Wiesen, Weiden, Wald oder auch ein Bach zu entdecken sind. All das soll sich in der Karte widerspiegeln, und so erfindet man mit den Kindern entsprechende Symbole, die dann in die Karte einzutragen sind. Das genaue Beobachten weckt die Sinne auf, ruft in den Kindern eine innige Beziehung zu diesem Flecken Erde hervor, regt aber auch den Lehrer dazu an, alle Aktivitäten mit den Kindern gemeinsam zu pflegen.

Wird durch die erdkundliche Betrachtung der Blick in die Weite gelenkt, so führen die geschichtlichen Darstellungen mehr nach innen. Es ist gleichsam ein seelischer Atemprozess, wie er ja ohnehin jeden Unterricht durchziehen soll, hier sich aber zusätzlich aus der Gesamtgestalt der Epoche ergibt.

aus: "Der Klassenlehrer an der Waldorfschule", Helmut Eller, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1998

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