Pubertät
Aus Waldorfwiki
Mit der Geschlechtsreife ist der seelische Organismus des Kindes so weit ausdifferenziert, dass es sich der Umwelt stellen kann. Das Fühlen hat sich vom Organischen gelost. Die Empfindung ist frei für soziale Zuwendung zu anderen Menschen. Jetzt kann Erziehung im Denkbereich stattfinden, und Wissensvermittlung als solche ist möglich. Jetzt kann der Mensch denken, was er vorher gewollt und gefühlt hat. Er kann jetzt durch Urteilskraft sein Verhältnis zu den anderen Menschen bestimmen. Der junge Mensch lernt nun zu ordnen, Schüsse zu ziehen und sich Urteile zu bilden. Die Erziehung muss dem Kind dazu lebendige, bewegliche Begriffe über das Leben und die Welt vermitteln, die sich mit dem Kind entwickeln und sich im späteren Leben selbst umwandeln. Der Lehrer darf nicht tote Definitionen anbieten, er soll charakterisieren, das heißt die Dinge unter möglichst viele Gesichtspunkte stellen. Der Jugendliche erfahrt alles, was ihm beigebracht wird, individuell, hinterfragt es und integriert es in seine Persönlichkeit. Er macht sich die ihm angebotenen moralischen Begriffe selbst in Freiheit zu seinen Geboten und Verboten. Voraussetzung ist, dass er vorher die Sympathie für das Gute und die Antipathie gegen das Böse gefühlsmassig erlebt hat.
Auch in der Erziehung von Jugendlichen gilt für Steiner der Dreischritt: Vom Wollen über das Fühlen zum Denken. Ins Methodische übersetzt heißt das: Vom Tun über das Verstehen zum Wissen. Diese drei Elemente sind in dieser Reihenfolge für jeden Unterrichtsinhalt notwendig, damit dieser zum vollmenschlichen Besitz des Schülers wird. "So ist es die Aufgabe des Lehrers, dass er durch die Art und Weise, wie er seinen Stoff den Kindern bringt, an allen Fähigkeiten des Kindes so bildet, dass dessen leiblicher Organismus zu einem Instrument wird, auf dem das Ich später so zu spielen vermag, dass der volle Mensch in ihm zur Erscheinung kommen kann" .
